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Peter Schulz
Das fliegende Erdgeschoß
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Es war ein Haus mit vielen Fenstern. Wo man auch hinsah, nichts als Fenster. Einige ließen sich sogar öffnen. |
Der Vermieter hatte sich ausbedungen, daß ich meine Gesteinssammlung (Edel-, Zahn- und Hinkelsteine) in einer von außen nicht einsehbaren Weise verwahrte. Ich wohnte im Erdgeschoß, was neben einem annehmbaren Mietrabatt eine fortwährende optische Anteilnahme vorbeischlendernder Passanten mit sich brachte. Anfangs hatte ich noch jedem Hereinschauenden gewinkt, doch da sich die meisten Betrachter daraufhin zurückzogen, ließ ich es irgendwann sein. |
Ansonsten war mein neues Heim ja nicht unoriginell. Es roch nach Diesel, Mist und Sandelholz. Das giftgelbe Brokatsofa harmonierte aufs Vortrefflichste mit der eisvogelblauen Decke. Bis ich den Schließmechanismus der Tür kapiert hatte, dauerte es eine Weile. Ich benützte während dieser Zeit eines der vielen Fenster zum auf die Arbeit gehen und zum nach Hause kommen. Leider machten auch andere Menschen von dieser Möglichkeit Gebrauch. Nach und nach verschwanden meine Wäscheleine, mein Tropenhelm und meine amharischen Buntbarsche. Glücklicherweise fiel der Mieter über mir einer Europameisterschaft der Leichtathleten zum Opfer. Er bekam einen Diskus an den Kopf, was seinen Namen mit einem Weltrekord verband und seine Wohnung frei werden ließ. |
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